Zwischenmenschliche Beziehungen: Warum gute Beziehungen bei dir selbst beginnen

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John Donne hat es auf den Punkt gebracht: ‚No man is an island.‘ Selbst wenn wir ein zurückgezogenes Leben führen, stehen wir immer in Beziehung mit etwas oder zu jemandem. Sei es in einem kurzen Gespräch mit dem Postboten an der Tür, dem Beobachten des Vogels auf der Terrasse oder am Morgen dem Blick in den Spiegel. Fällt der eher kritisch aus, werden sich auch die anderen Beziehungen schwer, anstrengend oder leer anfühlen. Denn gute Beziehungen beginnen immer bei uns selbst. 

Eine innere Arbeit, die wohl nie ein Ende findet. Und gleichzeitig eine der schönsten überhaupt, denn der ‚Lohn‘ ist ein Leben, in dem sich jede Beziehung leicht und lebendig anfühlt. Was nicht bedeutet, dass es keine Probleme oder Ärger mehr geben wird. Dafür sind wir zu sehr Mensch. 

Ein effektives Medium, um diese Beziehung zu uns selbst relativ leicht zu verbessern, ist das therapeutische Schreiben. Alles, was wir dazu brauchen, sind Stift, Papier und den Mut, uns selbst zu begegnen.

Frau blickt nachdenklich mit Blick nach oben.

Wie rede ich eigentlich mit mir selbst?

Warum die Beziehung zu mir selbst so wichtig ist

Oft liegt unser Ziel im Außen. Wir wollen die Beziehung zu unserem Partner verbessern, unseren Kindern näher sein oder die eingeschlafene Freundschaft wieder beleben. Was wir dabei aber meistens vergessen, ist die Beziehung zu uns selbst. Achte ich auf die Signale meines Körpers? An welche Stelle setze ich mich und meine Bedürfnisse? Wie rede ich mit mir – gerade wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir gewünscht habe?

Solange wir uns nicht mit diesen Fragen auseinandersetzen und dann für die entsprechenden Konsequenzen die Verantwortung übernehmen, müssen wir uns keine Gedanken darüber machen, irgendeine Beziehung verbessern zu wollen. Der Weg beginnt bei uns. Nirgendwo sonst. Denn sonst zäumen wir das Pferd von hinten auf.

In meiner Arbeit als Schreibtherapeutin höre ich oft: ‚Aber ich muss mich doch auch nach den anderen richten. Alles andere wäre doch egoistisch.‘ Und hier lege ich ein klares Veto ein. Denn an dieser Stelle vermischen sich zwei Begriffe, die nicht unterschiedlicher sein könnten: Egoismus und Selbstfürsorge.

Die Ursache für diese Angst findet sich sehr wahrscheinlich in unserer Kindheit. ‚Sei nicht so egoistisch!‘ – Ein Satz, den wohl jede von uns mindestens einmal als Kind gehört hat. Und ein Satz, der weitreichende Folgen hatte. Denn diese vier Worte haben uns von kleinauf grundlegende Selbstfürsorge mit Egoismus verwechseln lassen. 

Aber ein ausgetrockneter Fluss kann kein Wasser spenden. Deshalb ist es so wichtig, dass ich mich zuerst um mich und mein Wohlbefinden kümmere. Erst dann kann ich für andere sorgen, ihnen als Kraft- und Energiequelle zur Verfügung stehen. 

Und falls du dich gerade fragst, warum es uns oft so schwerfällt, auf die eigene innere Stimme zu hören, obwohl wir sie eigentlich deutlich spüren, findest du in meinem Blogartikel „Innere Stimme hören lernen – Wie therapeutisches Schreiben dabei hilft“ weitere Gedanken dazu.

Zwei Frauen sprechen offen über zwischenmenschliche Beziehungen.

Beziehungen verändern sich dort, wo wir beginnen, ehrlich zu sein.

Beziehungen brauchen Ehrlichkeit statt Anpassung

Um voll an meiner Seite stehen zu können, braucht es Mut. Mut für Ehrlichkeit. Das zu sagen, was ich mir wirklich wünsche, was ich vielleicht verändern will oder was ich gar nicht mehr haben möchte. Ich gebe zu, das ist nicht immer einfach. Denn wir haben Angst, den anderen damit zu verletzen oder dafür abgelehnt zu werden. Deshalb geben wir lieber nach oder stecken zurück. 

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der viel größere Teil ist, dass wir schlicht und ergreifend Angst davor haben, diese Reaktionen, die wir beim Gegenüber erwarten, nicht halten zu können. Und deshalb verbiegen wir uns. Was das Problem jedoch nicht löst, sondern nur noch vergrößert. Denn durch mein Verbiegen lege ich noch eine Schippe auf den ‚Groll-Haufen‘, der sich in jeder Beziehung unweigerlich anhäuft, solange wir nicht uns selbst an erste Stelle setzen. 

Jedes Mal, wenn ich meine Wünsche und Bedürfnisse hinter die der anderen stelle, mache ich einen Strich auf der Payback-Liste. Und irgendwann zahle ich es ihnen heim – oft sogar, ohne es selbst zu bemerken. ‚Deine Cola? Oh, die habe ich vergessen, Schatz.’ Irgendwann ist der Haufen zwischen uns so groß, dass wir uns gar nicht mehr sehen können. Das mag von außen aussehen, als ob sich ein Paar gut arrangiert hat. Im Inneren fühlt es sich aber oft einsam und ziemlich leer an. 

Gerade beim Thema Anpassung spielen unsere persönlichen Grenzen oft eine viel größere Rolle als uns bewusst ist. Auf dieses Spannungsfeld gehe ich in meinem Blogartikel „Grenzen setzen zu Ostern – die Schutzschale aufbrechen lernen“ noch tiefer ein.

Frau schreibt Gedanken in ein Notizbuch.

Durch Schreiben entsteht oft die Nähe, die wir lange vermisst haben.

Wie Schreiben Beziehungen verändern kann

Viele meiner Klientinnen kommen mit dem Wunsch zu mir, wieder mehr Nähe spüren zu wollen. Durch das intuitive oder therapeutische Schreiben entsteht das relativ schnell, denn durch den Schreibprozess kommen sie sich selbst wieder näher. Oft ist es das erste Mal seit langer Zeit, dass sie diese Nähe wieder spüren. Und das berührt nicht nur sie.

Das Schreiben ist wie ein Geheimgang zu unserer Seele. Einmal geöffnet, bleibt die Tür für immer einen Spalt weit offen. Durch das Eintauchen in unsere Gedanken und Gefühle erkennen wir fast spielerisch alte Muster, die unbemerkt in uns wirken. Und einmal erkannt, haben wir die Möglichkeit, anders zu wählen und dadurch alles zu verändern. 

Indem wir uns mit uns beschäftigen, verändern sich also auch automatisch die Beziehungen um uns herum. Denn wenn wir erkennen, was uns zurückhält und den Mut haben, das zu verändern, kommt alles andere auch in Bewegung, ordnet sich neu. Wie am Strand, wenn ich meinen Fuß in den Sand setze.

Stift liegt auf einem geöffneten Notizbuch.

Manchmal beginnt Veränderung mit Stift und Papier.

Ein Schreibimpuls für deine Beziehungen

Das Schreiben ist wie eine Schatzsuche. Nur sind wir dabei nicht mit Spaten und Kompass unterwegs, sondern mit Stift und Papier. Und sobald wir uns selbst die Erlaubnis geben, alles aufs Papier zu setzen, was sich uns zeigt, sind wir unweigerlich auf der richtigen Spur. Wenn wir dann noch mindestens 10 Minuten schreiben, ist ein Goldfund fast unausweichlich.

Meine Lieblingsmethode ist das ‚Freewriting‘, also das freie Schreiben. Ein Schreiben, bei dem wir einfach mit einem Gedanken oder einem Gefühl beginnen und uns dann im Fluss der Worte treiben lassen. Egal, wohin die Strömung uns auch ziehen mag. 

Das Wichtigste ist, ganz ehrlich zu uns zu sein. Und dafür dürfen wir unseren ‚Inneren Kritiker‘, der von Deutschlehrern, Eltern, Tanten – und Gott weiß wem noch – unser Leben lang gefüttert wurde, an die Sonne schicken. Beim Schreiben hat er nichts verloren.

Bereit? Dann lass dich auf die drei Fragen ein, die deine Beziehungen verändern können:

  1. 1
    | Was hält dich davon ab, dein Bedürfnis ganz offen zu äußern?
  2. 2
    | Welchen Vorteil hast du, wenn du es nicht tust?
  3. 3
    | Darf dein Gegenüber alles erwidern oder gibt es Antworten, die du nicht hören willst?

Viel Freude bei der Schatzsuche – und nicht vergessen: Mut zur Ehrlichkeit. Auch wenn es unangenehm wird.

Zwei Menschen führen ein ehrliches Gespräch über ihre Beziehung.

Echte Nähe entsteht dort, wo Menschen sich zeigen dürfen.

Gute Beziehungen entstehen nicht durch Perfektion

Früher war ich der Überzeugung, dass eine gute Beziehung eine Beziehung ist, in der man nicht streitet und alles immer glatt läuft. Deshalb war ich von vielen Freundschaften und zwischenmenschlichen Beziehungen enttäuscht. 

Heute weiß ich, dass eine gute Beziehung nicht perfekt sein muss. Im Gegenteil. Je mehr jeder zu sich und seinen Bedürfnissen steht, desto ‚echter‘ wird die Beziehung. Und das bedeutet eben auch, dass die See manchmal rauer wird. 

Um eine gute Beziehung führen zu können – sei es zu einem Partner, den Kindern, der Nachbarin oder der Person an der Supermarktkasse – muss die Beziehung zu mir selbst geklärt sein. Ich muss mir über meine Wünsche und Ziele, über meine Ängste und Sorgen bewusst sein und mich trauen, sie ganz offen und ehrlich zu kommunizieren. Erst dann erlaube ich auch dem anderen, ganz er oder sie selbst zu sein.

Diese innere Klarheit und der Mut sind Begleiter, die sich durch das regelmäßige Schreiben zeigen. Seitdem das Schreiben ein fester Bestandteil in meinem Leben ist, haben sich meine sämtlichen Beziehungen verändert. Vor allem die zu mir selbst.

Schreiben verändert nicht nur uns selbst

Und weil ich immer wieder sehe, was Schreiben verändern kann, habe ich IN BETWEEN erschaffen. Einen Raum, in dem wir uns unregelmäßig treffen, uns gemeinsam einem Thema widmen und dazu schreiben. Am 24. Juni ist es wieder soweit und das Thema ist – oh Wunder – Beziehungen.

Lust dabei zu sein? Dann melde dich gerne an – und falls du an dem Termin keine Zeit haben solltest, bekommst du von mir den Link zur Aufzeichnung zugeschickt. Anmeldung genügt. Freu mich auf dich!


Dieser Artikel ist Teil einer dreiteiligen Reihe über Beziehungen. In den nächsten beiden Teilen geht es um die Beziehung zu anderen Menschen und die Frage, wie echte Nähe entstehen kann.


Vielleicht magst du noch bleiben. Diese Texte könnten dich begleiten.

Wenn du nach dem Lesen spürst, dass du dir selbst noch näherkommen möchtest, lade ich dich zu einer stillen 3-Tage-Reise ein.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

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