Therapeutisches Schreiben im Alltag – Gefühle verarbeiten durch Schreiben

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Viele Menschen sind ihren Gefühlen oft hilflos ausgeliefert und schämen sich dafür oder fühlen sich machtlos. Das muss aber nicht sein, denn es gibt wunderbare Tools, mit unseren Gefühlen auf eine andere Art und Weise umzugehen. Angefangen bei der einfachsten, der Atmung, über Meditation, Yoga oder einem Spaziergang in der Natur. Meine Lieblingsmethode ist das achtsame oder therapeutische Schreiben. Warum? Weil es so einfach umzusetzen ist und ich nichts weiter benötige, als Stift und Papier. Und weil sie mir relativ schnell ermöglicht, mich mit mir selbst zu verbinden und in mich hineinzuspüren. Je öfter ich das tue, desto weniger haben mich meine Gefühle im Würgegriff. Und das verändert, wie ich meinen Alltag wahrnehme. Ob er mit herausfordernden Situationen gespickt ist oder ob ich gelassen bleibe, egal, was sich im Außen zeigt. Was in meinen Augen eine deutliche Steigerung der Lebensqualität darstellt.

Frau schreibt ihre Gedanken und Gefühle in ein Tagebuch

Therapeutisches Schreiben fördert Klarheit und inneres Gleichgewicht.

Warum Schreiben uns hilft, Gefühle zu verarbeiten

Über den Grund, warum Schreiben hilft, Gefühle zu verarbeiten, ist sich die Wissenschaft bis heute nicht schlüssig. James W. Pennebaker, ein US-amerikanischer Professor für Psychologie, hat einmal gesagt: ‘Bis heute weiß ich nicht genau, wie, wann oder warum das Expressive Schreiben helfen kann.’ Dass dem so ist, wurde seit der Entdeckung des Expressiven Schreibens durch Pennebaker in den 1980er-Jahren in zahlreichen Studien belegt.

Schreiben entlastet. Nicht nur die Seele, sondern auch unser Verhalten und unseren Körper. Was ich persönlich besonders spannend finde und wieder einmal belegt, wie wichtig es ist, unsere Persönlichkeit ganzheitlich zu betrachten. Wenn du mehr über die Kraft des Schreibens und seine Grenzen erfahren willst, lade ich dich dazu ein, in meinen Blogartikel ‘Journaling lernen: Die besten Methoden + therapeutische Alternativen’ einzutauchen.

In meiner Arbeit als zertifizierte Schreibtherapeutin nehme ich immer wieder wahr, dass die Frauen über sich selbst erstaunt sind. Sie hätten nie gedacht, dass sie solche Gedanken in sich tragen. Dass sie Antworten auf Fragen finden, die sie mit dem Verstand nicht lösen konnten. Dass sich intensive Gefühle so schnell auflösen und ein tiefes Verständnis an ihre Stelle tritt. Ich vergleiche das Schreiben gerne mit einer Schatzsuche. Nur, dass wir nicht mit Kompass und Spaten unterwegs sind, sondern mit Stift und Papier.

Schreiben ist ein Prozess des Loslassens, in dem wir Gedanken, Gefühle und Erlebtes aus uns herausfließen lassen. Tun wir das nicht, stauen sich in uns unweigerlich Gefühle auf. Bis sie zu einer Art Staudamm werden, auf dem ein enormer Druck lastet. Das erklärt auch das Phänomen, wenn uns ‘die Hutschnur platzt’ und wir unsere Gefühle ungefiltert herauspoltern. 

Nachdenkliche Frau sitzt am Fenster und reflektiert ihre Emotionen

Achtsames Schreiben hilft, Gefühle bewusst wahrzunehmen.

Welche Gefühle sich besonders gut durch Schreiben lösen lassen

Meiner Erfahrung nach eignet sich das Schreiben für alle Gefühle. Das Wichtigste dabei ist, dass wir uns über unsere Gefühle überhaupt erst einmal bewusst werden. Denn wir neigen alle dazu, unangenehmen Gefühlen aus dem Weg zu gehen – um sie nicht fühlen zu müssen.

Wenn wir sie aber in Worte fassen, passieren mehrere Dinge gleichzeitig: 

  • wir distanzieren uns von dem Problem
  • wir verändern unsere Perspektive
  • wir stehen zu uns und unseren Gefühlen
  • wir können vergeben und Frieden schließen
  • und die Scham reduziert sich oder löst sich sogar auf

Das verändert alles. Aus Unsicherheit und Zweifel entsteht eine Klarheit. Die Wut und die Überforderung verwandeln sich in Mitgefühl und Verständnis – für uns und den anderen. Die Trauer darf ihren Platz einnehmen und löst die Scham darüber auf. Und die Angst, die nahezu allen belastenden Gefühlen zugrunde liegt, verliert an Kraft. Das ermöglicht uns einen ganz anderen Umgang mit unseren Gefühlen und der jeweiligen Situation.

Notizbuch und Füller als Symbol für therapeutisches Schreiben

Mit Stift und Papier zu mehr Klarheit und innerer Balance.

Therapeutisches Schreiben im Alltag – so kannst du beginnen

Beim therapeutischen Schreiben gibt es eigentlich keine Regeln. Und dennoch möchte ich dir ein paar Punkte mit auf den Weg geben, die dir den Einstieg in den Schreibprozess erleichtern. Und weil es sieben Punkte sind, habe ich sie ‘Die 7 Zwerge’ genannt.

Die 7 Zwerge

  1. 1
    Niemand liest den Text – mach dir das vor dem Schreiben ganz deutlich bewusst, denn dann bist du ganz ehrlich zu dir.
  2. 2
    Schreibe, ohne zu bewerten – denn es gibt kein richtig und kein falsch.
  3. 3
    Der innere Kritiker hat Pause – siehe Punkt 2 🙂
  4. 4
    Hand immer in Bewegung lassen – damit sich dein Kopf nicht einschaltet.
  5. 5
    10 Minuten Minimum – sonst bleibst du an der Oberfläche.
  6. 6
    Schreibe, bis dein Handy klingelt – so kannst du dich voll auf den Prozess einlassen.
  7. 7
    Gefühle sind willkommen – egal welche es auch sein mögen.

Mit diesen Tipps bist du bestens vorbereitet für die Schreibimpulse.

3 einfache Schreibimpulse für den Alltag

Die wohl einfachste Methode ist das Freewriting. Eine sehr effektive Methode, um alle unsere Gedanken und Gefühle ungefiltert auf’s Papier fließen zu lassen. Was für alle drei Schreibimpulse die Grundlage ist. Bist du bereit? Dann lies den Impuls und schreib einfach drauflos. Bis dein Handy klingelt. Viel Freude dabei!

Impuls 1

Wie geht es mir eigentlich gerade?

Impuls 2

Was macht mich gerade so wütend / traurig / hilflos /…?

Impuls 3

Wo mache ich gerade eine (große) Sache aus etwas?

Notizbuch, Stift und Tasse Kaffee auf einem Tisch als Symbol für das Verarbeiten von Gefühlen durch Schreiben

Wann zusätzliche Unterstützung sinnvoll sein kann.

Wann Schreiben allein nicht ausreicht

Schreiben ist ein kraftvolles Medium, das wir nutzen können, um zu klären, zu ordnen und zu verstehen. Durch den Schreibprozess entwirren wir lose Fäden, lassen Worte in uns aufsteigen, nehmen verschiedene Blickwinkel ein, durchbrechen alte Muster und finden oft neue Wege.

Aber Schreiben ist kein Wundermittel. Es braucht eine gewisse Regelmäßigkeit, Geduld mit uns selbst und auch Fürsorge für uns. Wenn du also schon lange mit düsteren Stimmungen zu kämpfen hast oder sogar eine Depression oder ähnliches diagnostiziert bekommen hast, ist es ratsam, dies zuvor mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten abzuklären.

Für alle anderen ist das achtsame oder therapeutische Schreiben ein effektiver Weg, sich eine Basis für ein mental gesundes Leben zu schaffen, denn…

  • ich sehe klar, wo ich stehe und wie ich meine Situation verändern und/oder verbessern kann.
  • ich erkenne, wo ich mir selbst im Weg stehe und mich unnötig einschränke.
  • ich bin offener für die Ansichten anderer Menschen.
  • ich bin meinen Gefühlen nicht mehr hilflos ausgeliefert.
  • ich kann meine Gedanken & Gefühle in Worte fassen und nehme ihnen dadurch die Schwere.

Kurz: Ich werde entspannter und selbstsicherer – und je entspannter ich bin, desto glücklicher und zufriedener bin ich. 

Frau schreibt in ein Notizbuch bei einer Tasse Kaffee am Fenster

Durch Worte zu innerer Klarheit und Selbstvertrauen finden.

Schreiben als Weg zu dir selbst

Was mich am therapeutischen Schreiben am meisten fasziniert, ist die Tatsache, dass es unsere innere Stimme stärkt. Mit jedem Wort, das wir schreiben. Darüber habe ich einen ausführlichen Blogartikel ‘Innere Stimme hören lernen – Wie therapeutisches Schreiben dabei hilft’ geschrieben, der dich vielleicht auch interessiert.

Es kann mir also in allen Lebenslagen eine große Hilfe sein. Sei es bei einer Beziehungsfrage, einem beruflichen Problem, einer generellen Neuausrichtung oder einfach bei einer Thematik im Alltag – denn wir tragen die Antworten alle schon in uns und brauchen kein Außen dafür. Das fühlt sich eventuell für viele von uns noch unsicher an, löst sich aber in relativ kurzer Zeit auf, wenn wir uns auf den Schreibprozess einlassen. Das geht in Begleitung durch einen Coach oder eine Mentorin wie mich oder auch alleine. 

Porträt von Doris Hönig mit dem Schriftzug Connect Yourself

Therapeutisches Schreiben vertiefen und dir selbst begegnen.

Stille 3-Tages-Reise „Connect Yourself“ – therapeutisches Schreiben vertiefen

Das Schreiben wird gerade immer populärer durch das Journaling. Ich gehe noch einen Schritt weiter und sehe das Schreiben als eine einfache und effektive Methode der Hilfe zur Selbsthilfe oder des Selbstcoachings. Als Einstieg in diese Welt, lade ich dich zu meiner stillen 3-Tages-Reise ‘Connect Yourself’ ein. In diesem Raum kommst du dir selbst wieder ein Stück näher. Genieße es und lass dich überraschen, was alles aus dir herausfließt, wenn du es nur zulässt.


Vielleicht magst du noch bleiben. Diese Texte könnten dich begleiten.

Wenn du nach dem Lesen spürst, dass du dir selbst noch näherkommen möchtest, lade ich dich zu einer stillen 3-Tage-Reise ein.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

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