Selbstbewusstsein stärken durch Schreiben – wie du über Worte innere Sicherheit findest

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Die wohl wichtigste Eigenschaft, um ein selbstbestimmtes und glückliches Leben zu führen, ist ein starkes Selbstbewusstsein. Das erleichtert uns den Umgang mit anderen Menschen, mit herausfordernden Situationen und verändert auch – oder sogar vor allem – unser inneres Erleben. Eine effektive Brücke, die von vielen unterschätzt wird, ist das achtsame oder therapeutische Schreiben. Die regelmäßige Rückverbindung zu uns selbst – zu unseren Gedanken und Gefühlen, unserer inneren Stimme – stärkt diese Eigenschaft. Von innen heraus. Unser Selbstwert, unser Selbstvertrauen und unser Selbstbewusstsein wachsen stetig und werden größer. Ähnlich wie die Jahresringe bei einem Baum. Fehlt uns diese Eigenschaft, dann fehlt uns auch die innere Stärke mit allem umzugehen, was das Leben für uns bereit hält – unabhängig davon, ob uns das gefällt, was wir sehen oder erleben oder eben auch nicht.

Was Selbstbewusstsein wirklich ist und wie Selbstwert und Selbstvertrauen zusammenhängen

Selbstbewusstsein entsteht, wenn du dich selbst wirklich erkennst

Was Selbstbewusstsein wirklich ist – und warum es oft fehlt

Selbstbewusstsein wird oft im selben Atemzug mit zwei weiteren Begriffen benutzt. Mit Selbstvertrauen und mit Selbstwert. Und obwohl sie ganz eng miteinander verknüpft sind, gibt es doch wesentliche Unterschiede. Beim Selbstwert fühle ich ganz deutlich: ‘Ich bin wertvoll’ und beim Selbstvertrauen weiß ich, was ich kann. Beim Selbstbewusstsein geht es noch etwas tiefer. Es ist die Fähigkeit, mich selbst wahrzunehmen und mir zu vertrauen. Ich nehme mich selbst also mit all meinen Wünschen, Bedürfnissen, Ängsten, Sorgen wahr, kenne meine Grenzen und stehe dazu. Das braucht Mut – und der fehlt uns oft.

Selbstbewusstsein vs. Selbstsicherheit

Was auch häufig passiert ist, dass Selbstbewusstsein mit Selbstsicherheit verwechselt oder gleichgesetzt wird. Wenn wir einem Menschen begegnen, der selbstsicher auftritt, nehmen wir oft automatisch an, dass er auch ein großes Selbstbewusstsein hat. Das muss aber nicht sein, denn Selbstsicherheit ist die Wirkung nach außen. Selbstbewusstsein das innere Wissen um sich selbst. Ein Mensch, der sehr reflektiert und innerlich klar ist, kann auch ganz unscheinbar einen Raum betreten. Und diese selbstsichere Person von oben, kann innerlich alles andere als klar sein.

Warum viele sich „unsicher“ fühlen, obwohl sie viel können

Der Ursprung, warum sich viele Menschen unsicher fühlen, liegt in ihrer Kindheit. Je weniger Anerkennung und je mehr Kritik sie in diesen frühen Jahren erfahren haben, desto weniger stark ausgeprägt ist das Selbstbild. Denn die Bewertung von außen hat einen direkten Einfluss auf den Kontakt zu unserem eigenen inneren Maßstab. Fühle ich mich von Kleinauf darin bestärkt, bleibe ich mit mir verbunden. Fehlt mir diese Bestätigung, verliere ich immer mehr den Kontakt dazu. Und das kann kein Wissen im klassischen Sinn wieder wett machen. Das innerer Gefühl von ‘Ich bin nicht gut genug’ bleibt. Egal, wieviele Fortbildungen und Zertifikate ich auch ansammle.

Selbstzweifel und Unsicherheit als Ursprung eines schwachen Selbstbewusstseins

Selbstzweifel haben eine Geschichte – und sie beginnt oft viel früher, als wir denken

Wie Schreiben dein Selbstbewusstsein stärkt

Das Schöne ist, dass wir das ändern können. Und interessanterweise leichter als wir denken. Einfach mit Stift und Papier. Wir sind also nicht dazu verdammt, bis ans Ende unserer Tage mit dem Ballast aus der Kindheit zu leben und uns mit dieser Unsicherheit abzufinden. Wir haben es selbst in der Hand unser Selbstbewusstsein zu stärken.

Ich stelle mir das immer so vor: Als Kinder haben wir einen direkten Kanal zu unserem Inneren – für mich sitzt das im Bereich des Beckens. Und im Laufe der Jahre wird dieser innere Kanal durch Bewertungen, Erwartungen, Regeln, Vorschriften, Enttäuschungen verschüttet. Unser Selbstbewusstsein verblasst. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Das Schreiben wirkt wie ein Bagger. Es entfernt Schicht für Schicht und legt den Kanal wieder frei.

Bauchgefühl statt logische Argumente

Wir kommen also wieder mit unserem Bauchgefühl in Verbindung – wie als Kind. Du kannst dich bestimmt noch daran erinnern, wie es sich anfühlt, wenn deine innere Stimme ‘Ja’ sagt. An das ausgelassene Hüpfen in der Brust. Und da war es vollkommen egal, was die Erwachsenen gesagt haben, welche logischen Argumente sie vorgebracht haben. Du wusstest ganz tief in deinem Inneren: ‘Das ist das Richtige für mich.’

Vom Gefühl zur inneren Sicherheit

Und dieses Gefühl kannst du mit dem Schreiben wieder aufwecken. Denn es ist nur zugedeckt von all den äußeren Einflüssen, die du erlebt hast. Zugegeben, es braucht eine gewisse Regelmäßigkeit, etwas Geduld mit dir selbst und auch Mut hinzuschauen. Aber das, was sich dadurch in deinem inneren Erleben verändert, ist es allemal wert. Denn mit jedem Wort, das du aufs Papier setzt, legst du dein in dir verankertes Selbstbewusstsein wieder frei. Wie der Bildhauer, der den Stein behaut.  

Wie Schreiben hilft, Selbstbewusstsein zu stärken und innere Klarheit zu finden

Schreiben bringt dich zurück in Verbindung mit dem, was in dir längst da ist

Was beim Schreiben in dir passiert

Diese ‘Magie’ darf ich immer wieder in meiner Arbeit als zertifizierte Schreibtherapeutin erleben. Magie deshalb, weil die Wissenschaft bis heute nicht weiß, wie genau das Schreiben wirkt. Und das, obwohl es zahlreiche Studien über die Auswirkungen darüber gibt. 

Angefangen beim Stressabbau (z.B. Smyth-Meta-Analyse 1998: weniger Blutdruck, bessere Immunfunktion), über die deutliche Verbesserung der Stimmung und des Wohlbefindens (z.B. Positive Affect Journaling: reduzierte Angst, gesteigerte soziale Integration), sowie der Schlafqualität (z.B. Arigo & Smyth 2011: weniger Einschlafprobleme nach 8 Wochen EW bei Studentinnen), bis hin zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung und des Selbstwertgefühls (z.B. Cornell 2024: Werte-Schreiben steigert Teens-Selbstwert langfristig).

Warum entsteht durch Schreiben Klarheit?

Aber was passiert denn nun beim Schreiben wirklich? Bei meinen Frauen beobachte ich grob drei Kategorien

1. Erleichterung

Durch das Schreiben verarbeiten wir eine herausfordernde Situation oder belastende Gedanken. Wir stellen uns unseren Gefühlen, z.B. der Scham, solche Gedanke überhaupt zu haben. Und dieses In-Worte-Fassen erleichtert uns ungemein.

2. Neuausrichtung

Durch das Schreiben entsteht eine Distanz zwischen unseren Gedanken, unseren Gefühlen und unserer Wahrnehmung. Wir erkennen – oder erahnen zumindest – wie das Leben trotz oder mit der neuen Situation aussehen kann. Oft zeigen sich Wege, die wir vorher einfach nicht sehen konnten.

3. Erhöhung der Lebensqualität

Durch diese neue Wahrnehmung und dem Umgang mit unseren Gedanken und Gefühlen verändert sich unser inneres Erleben maßgeblich. Wir nehmen Situationen nicht mehr als Bedrohung wahr, sondern erkennen sie als das, was sie sind: Momente, die uns das Leben vor die Füße legt und auf die wir reagieren dürfen.

Wenn du noch tiefer in die heilende Kraft des Schreibens einsteigen willst, tauche gerne in meinen letzen Blogartikel 'Therapeutisches Schreiben im Alltag – Gefühle verarbeiten durch Schreiben' ein. 

Schreibimpulse um Selbstbewusstsein zu stärken und Gedanken zu sortieren

Manchmal reicht ein Blatt Papier, um dir selbst wieder näher zu kommen

3 Schreibimpulse, die dein Selbstbewusstsein stärken

Und wenn du diese Kraft am eigenen Leib erleben willst, dann lade ich dich zu drei kurzen Schreibimpulsen ein. Bevor du jetzt aber den Stift zückst und loslegst, möchte ich dir noch ein paar Tipps mitgeben, mit denen du das Schreiben voll für dich nutzen kannst. Und weil es sieben sind, habe ich sie ‘Die 7 Zwerge’ genannt.

Die 7 Zwerge

  1. 1
    Niemand liest den Text – mach dir das vor dem Schreiben ganz deutlich bewusst, denn dann bist du ganz ehrlich zu dir.
  2. 2
    Schreibe, ohne zu bewerten – denn es gibt kein richtig und kein falsch.
  3. 3
    Der innere Kritiker hat Pause – siehe Punkt 2 🙂
  4. 4
    Hand immer in Bewegung lassen – damit sich dein Kopf nicht einschaltet.
  5. 5
    10 Minuten Minimum – sonst bleibst du an der Oberfläche.
  6. 6
    Schreibe, bis dein Handy klingelt – so kannst du dich voll auf den Prozess einlassen.
  7. 7
    Gefühle sind willkommen – egal welche es auch sein mögen.

Mit diesen Tipps bist du bestens vorbereitet für die Schreibimpulse.

3 Schreibimpulse, mit denen du dein Selbstbewusstsein stärken kannst

Meine absolute Lieblingstechnik ist das Freewriting. Sie ist gleichermassen einfach und effektiv, weil es nur darum geht, alle Gedanken, die sich zeigen 10 Minuten aufs Papier fließen zu lassen. Ohne sie zu bewerten oder zu hinterfragen. Mach das bei jedem der drei Impulse und lass dich überraschen, was sich zeigt. – Ich wünsche dir ein kurzweiliges Schreibvergnügen!

Impuls 1

Wo halte ich mich gerade zurück?

Impuls 2

Was würde ich tun, wenn ich mir vertrauen würde?

Impuls 3

Wer wäre ich ohne Zweifel?

Warum Schreiben allein nicht ausreicht und bewusste Veränderung wichtig ist

Verstehen ist der Anfang – echte Veränderung entsteht im Tun

Warum Schreiben allein manchmal nicht reicht

Ich bin eine klare Verfechterin des Schreibens und gleichzeitig weiß ich um seine Grenzen. Dazu habe ich einen ausführlichen Blogartikel ‘Journaling lernen: Methoden, Vorteile und therapeutische Alternativen’ geschrieben. 

Schreiben alleine – ohne zusätzliche Bewusstseinsarbeit – hilft. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Es braucht neben der Regelmäßigkeit auch bewusstes Beobachten und Veränderungen im Alltag. Sonst fallen wir immer wieder in die alten Muster zurück, denen wir vielleicht schon Jahrzehnte folgen. Und insbesondere, wenn sie uns nicht bewusst waren, ist das Gummiband, das uns immer wieder zurückzieht, besonders stark ausgeprägt. 

Und daran scheitern viele von uns. Wir denken: ‘Das habe ich verstanden, das mach ich jetzt anders.’ Aber unser Verstand ist Teil des alten Verhaltens. Schlimmer noch: Er ist der Verursacher. Denn unser Verstand hat die Aufgabe, unser Überleben zu sichern. Und das hat bis heute mit den alten Mustern funktioniert. Deshalb gibt es für ihn keinen Grund, etwas zu ändern. Ob das für unsere Lebensqualität dienlich ist, ist ihm dabei egal. Wenn wir das verinnerlicht haben, halten wir den 'heiligen Gral’ in den Händen.

Selbstbewusstsein aufbauen und innere Stärke entwickeln

Innere Stärke wächst leise – jedes Mal, wenn du dir selbst begegnest

Selbstbewusstsein entsteht nicht im Außen – sondern in dir

Selbstbewusstsein ist also mehr als Selbstsicherheit. Mehr als der Schlachtruf ‘Ich muss nur mutiger sein.’ 

Selbstbewusstsein ist ein Erkennen und Annehmen. Und daraus entsteht eine innere Sicherheit und Stärke. Vergleichbar mit einer inneren Landkarte, die mich leitet. Und der angenehme Nebeneffekt, der dabei entsteht, ist, dass ich im Außen sicherer wirke. 

Der Kreis schließt sich also und verbindet Selbstbewusstsein mit echtem Selbstvertrauen und einem tiefen Selbstwertgefühl. Ein Trio, mit dem ich bestens ausgerüstet bin für die Unwegsamkeiten des Lebens.

Doris Hönig steht unter einer Hängeweide; Schriftzug In Between als Einladung zum Erfahrungsraum.

IN BETWEEN – ein Erfahrungsraum für Frauen, die sich selbst wieder vertrauen wollen.

Ein Raum, in dem du dein Selbstbewusstsein neu entdecken kannst

Wenn du beim Lesen Lust verspürt hast, diesen Weg zu erkunden, dann ist mein Erfahrungsraum IN BETWEEN ein wundervoller Ort dafür. In ‘In Between’ machen wir uns unregelmäßig alle paar Wochen gemeinsam auf den Weg, um die unterschiedlichsten Themen zu erkunden. Sei es der Wunsch nach Kontrolle, die Stärkung des Inneren Kompasses oder – demnächst – das Geheimnis einer glücklichen Beziehung. Das einzige was du dazu brauchst, sind Stift und Papier. Bist du dabei?


Vielleicht magst du noch bleiben. Diese Texte könnten dich begleiten.

Wenn du nach dem Lesen spürst, dass du dir selbst noch näherkommen möchtest, lade ich dich zu einer stillen 3-Tage-Reise ein.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

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