Grenzen setzen zu Ostern – die Schutzschale aufbrechen lernen

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Gesunde Grenzen setzen fällt den meisten von uns schwer. Oft fallen wir dann auf der anderen Seite des Pferdes runter und bauen Mauern, um uns zu schützen. Oder um mit einem anderen Bild zu sprechen: Wir schützen unser verletzliches Inneres durch eine harte Schale – wie ein Ei.

Intensive Zeiten wie Ostern, in denen die Familie in den Mittelpunkt rückt, können uns herausfordern. Denn neben den schönen Momenten, die wir erleben, gilt es, für uns selbst zu sorgen. Aber eben nicht durch eine Schutzschale, die uns abschirmt, sondern durch Abgrenzung aus Selbstachtung. Ein Unterschied, der spürbar ist. Auf allen Ebenen.

Klare Grenzen zu setzen kann herausfordernd sein. Gerade wenn wir in einem Umfeld groß geworden sind, in dem Harmonie das oberste Ziel war. Aber gesunde Grenzen sind nicht ‘gegen’ mein Gegenüber gerichtet, sondern ‘für’ mich. Und das ist die Voraussetzung für echte Harmonie, in der sich alle wohlfühlen – nicht nur die meisten.

Denn wenn wir nicht für unsere Bedürfnisse einstehen, besteht die Gefahr, dass sich lange unterdrückter Ärger oder Resignation irgendwann ihren Weg nach oben bahnen – und dann aus uns herausbrechen, wie bei einem Vulkan. Und dann passiert genau das, was wir verhindern wollten: wir verletzen unsere Liebsten.

Eier mit Augen in einer Schachtel – Symbol für Schutz und Beobachtung

Wir schauen – und bleiben doch in unserer sicheren Schale.

Warum wir uns alle schützen – das Ei-Prinzip

Der Ursprung, warum wir uns alle schützen, liegt in unserer frühen Kindheit. Eine Zeit, die in der Entwicklungspsychologie als prägende Grundphase bezeichnet wird. Die Erfahrungen mit nahestehenden Bezugspersonen legen fest, wie sicher oder verletzend wir Nähe erleben und ob wir sie als Chance oder eher als Gefahr wahrnehmen.

Besonders in der Bildungsforschung von John Bowlby und Mary Ainsworth wird deutlich, dass wir in diesen Jahren unsere ersten inneren Muster für Sicherheit, Nähe und Trennung ausbilden. Auch Selbstwert, Vertrauen und Schutz-Verhalten werden gemäß psychologischer Studien und Übersichtsarbeiten innerhalb dieses Zeitfensters festgelegt.

Wenn wir früh Kritik, Unberechenbarkeit oder Ablehnung erfahren, entwickeln wir automatisch Schutzmechanismen, durch die wir uns anpassen, abwerten oder zurückziehen. Erfahren wir hingegen Geborgenheit, Respekt und Achtsamkeit, bauen wir eher Vertrauen in uns selbst und in die Außenwelt auf.

Das Umfeld, in dem ich aufwachse, formt also die ‘Schale’, mit der ich später durch mein Leben gehe. Problematisch daran ist, dass es keine bewusst gewählte Entscheidung von uns war, sondern eine unbewusste Wiederholung eines Schutzmechanismus ist. – Und alles, was mir nicht bewusst ist, kann ich nicht verändern.

weinendes Kind am Strand – Symbol für frühe emotionale Prägung

Unsere ersten Schutzmechanismen entstehen oft ganz früh.

5 Anzeichen unbewussten Selbstschutzes

Um mir dieser Schutzmechanismen bewusst zu werden, ist es wichtig, mich im Alltag zu beobachten und zu hinterfragen. Warum reagiere ich auf einen Menschen oder eine Situation auf die eine oder andere Weise? Was hat das für eine Auswirkung auf meine aktuellen Gefühle? Und wie gehe ich mit der Situation um?

Das braucht ein wenig Übung, weil wir es im Normalfall nicht gewohnt sind, unser Verhalten zu hinterfragen. Wir reagieren einfach. So wie wir es schon immer getan haben.

Ein hilfreicher Tipp ist: je ‘selbstverständlicher’ sich unsere Reaktion anfühlt, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich um ein wiederkehrendes Muster handelt. Automatismen, die uns von unserem wahren Selbst abspalten und uns subtil in unserer Handlung einschränken.

Auf die fünf häufigsten Anzeichen für unbewussten Selbstschutz gehe ich hier mit einem Rundum-Blick auf Gefühl, Denken, Körper, Verhalten und Beziehung ein:

Emotionale Taubheit

Beim ersten Anzeichen schotten wir uns emotional ab. Wir bemerken nur noch ganz schwach, was wir wirklich fühlen. Alles ist ‘gedämpft’ und erreicht uns nicht mehr. Das Gefühl von innerer Leere macht sich breit und der Alltag läuft meist auf Autopilot ab. 

Vermeidung von Konflikt und Nähe

Beim zweiten Anzeichen weichen wir – bewusst oder unbewusst – Situationen, Gesprächen, Entscheidungen aus, anstatt uns auf sie einzulassen. Der Griff zum Handy oder ein rascher Themenwechsel können zum Beispiel Strategien sein, um einem Konflikt oder einem Nähe-Angebot auszuweichen.

Körperliche Anzeichen ohne klaren Grund

Beim dritten Anzeichen sind wir oft müde, gereizt, haben Schlaf- oder Magenprobleme – ohne klar erkennbare medizinische Ursache. Dafür aber mit latenter Anspannung und chronischer Wachsamkeit. Unser Körper wirkt eher verschlossen: starre Haltung, verschränkte Arme und wir vermeiden Blickkontakt.

Überkontrolle im Außen

Beim vierten Anzeichen wollen wir alles im Griff haben – im Alltag, im Beruf, in der Kommunikation – um nichts mehr ‘unkontrolliert’ eskalieren zu lassen. Oft haben wir auch das Gefühl, dass ohne uns sowieso nichts läuft. Gleichzeitig blockieren wir spontane Nähe, echte Verletzlichkeit oder riskante Schritte, weil wir uns nur auf das ‘Sichere’ einlassen wollen.

Verhalten, das uns selbst kleiner macht

Beim fünften Anzeichen übernehmen wir – oft ungefragt – mehr als wir müssten, erklären uns ständig oder machen Kompromisse, um dem anderen zu gefallen. Wir machen uns sprachlich oder durch Gesten kleiner, ohne dass es uns bewusst ist, nur um dem anderen nahezukommen. Anstatt unseren Platz einzunehmen, der uns zusteht. 

Fazit

All diese Verhaltensweisen haben nur ein Ziel: Unsere Verletzlichkeit zu schützen – wie beim Ei die Schale. Aber eine Schale ist eine Schale. Sie schützt, aber sie hält auch ab. In unserem Fall: echte Nähe, echte Wärme, echte Beziehungen.

Person bewegt sich durch einen Lichttunnel

Der Moment, in dem du beginnst wirklich zu verstehen.

Grenzen vs. Mauern – der entscheidende Unterschied 

Was ist nun aber der Unterschied zwischen Grenzen und Mauern? Beide haben mit Abgrenzung zu tun. Beide dienen dem Schutz. Und doch unterscheiden sie sich grundlegend. Im Ursprung, in der Flexibilität, in ihrer Haltung, für die Beziehung untereinander und in der Wirkung nach außen.

Das finde ich persönlich so spannend. Zwei Dinge, die dasselbe sagen, aber ganz andere Ergebnisse bewirken. Lass uns mit der Haltung und der Wirkung nach außen beginnen.

Haltung & Wirkung nach außen

Sowohl Grenzen als auch Mauern sagen: ‘Stopp – hier ist eine Grenze.’ Sie markieren, wo wir selbst aufhören und der andere beginnt. Beide definieren, was zu uns gehört und was draußen bleiben soll. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie das vonstatten geht.

Wenn wir Grenzen setzen, wissen wir ganz genau,  was uns guttut und was nicht. Wir stehen zu dieser inneren Linie – aber ohne den anderen Menschen abzuwerten. Die Grenzen sind nicht gegen den anderen gerichtet, sondern für uns selbst. Und dadurch bleibt ein Austausch möglich.

Ein Satz, der das verdeutlich: ‘Das ist mir wichtig und deshalb setze ich eine Grenze. Ich bleibe klar, aber nah.’

Mauern hingegen schotten ab. Sie sind meist hart, distanziert und verletzend, weil es wenig Nähe und Vertrauen zulässt. Sie sind ein Schutz, um nicht verletzt zu werden und werden oft als Ablehnung oder Misstrauen wahrgenommen. Was einen direkten Einfluss auf den Austausch hat.

Ein Satz für Mauern: ‘Ich schütze mich, indem ich dich fernhalte.’

Beziehung & Flexibilität

Grenzen sind klar, aber nicht starr. Sie ermöglichen Nähe und klare Räume für beide. Dem weiteren Dialog steht nichts im Wege.

Mauern trennen und isolieren. Beide Seiten. Die Folge sind Verhärtungen und Stillstand. 

Ursprung

Grenzen setzen ist ein bewusster Schutz für unser Wohlbefinden.

Mauern hochziehen ist oft ein unbewusster Schutzmechanismus, der aus Angst, Misstrauen oder alten Verletzungen entsteht.

Sobald wir damit beginnen, uns über unsere Reaktionen bewusst zu werden, beginnt ein Prozess, der unser Leben von Grund auf verändert. Auf allen Ebenen. Sei es unser inneres Erleben, unsere Partnerschaft, unsere Familie oder unser Job.

Der erste Schritt kann zum Beispiel sein, den Fokus mehr auf unsere innere Stimme zu lenken. Darüber erfährst du alles in meinem letzten Blogartikel ‘Innere Stimme hören lernen – Wie therapeutisches Schreiben dabei hilft’.

Schmetterling auf Grashalm – Symbol für Veränderung und Entwicklung

Veränderung geschieht leise – und tief.

Was passiert, wenn du deine Schutzmuster erkennst?

Ich will ganz ehrlich zu dir sein: Erst einmal nicht sonderlich viel – und doch unglaublich viel. Denn du erkennst Muster, die vielleicht schon Jahrzehnte in dir unbewusst gewirkt haben. Das ist ein erster und enorm wichtiger Schritt in Richtung innerer Freiheit. Denn wie schon weiter oben erwähnt, kannst du nichts verändern, was dir nicht bewusst ist. 

Aber erwarte keine Wunder. Die Muster verändern sich nicht sofort, nur weil du sie erkennst. Sie sind tief in dir verankert. Du kannst dir das als eine breite Autobahn vorstellen, die dir bis ins kleinste Detail vertraut ist.

Was sich verändert

Aber mit jedem Mal, wenn du dir über den Automatismus bewusst wirst, hast du die Wahl, dich neu zu entscheiden. Will ich das so weitermachen wie bisher oder möchte ich meine Reaktion verändern?

Ganz wichtig ist bei diesem Prozess, nicht die Geduld mit dir zu verlieren und milde mit dir zu sein. Denn du wirst wahrscheinlich noch eine ganze Weile immer wieder in diese alten Muster verfallen und es vielleicht erst später bemerken, wenn du mitten in einer vertrauten Konflikt-Situation steckst. Oder du bemerkst das Muster und kannst dich trotzdem nicht anders verhalten.

Aber beides darfst du feiern! Denn du bist auf einem verdammt guten Weg. Du erkennst deine Muster – und die Schale des Eies bekommt immer mehr Risse. Bis es irgendwann knackst und sie auseinander fällt.

Was du nicht wissen musst

Entgegen vieler psychologischer und therapeutischer Ansätze, bin ich der Überzeugung, dass es nicht immer nötig ist, den Ursprung eines Schutzmusters zu kennen oder zu verstehen, um es aufzulösen.

Das ist ein bißchen wie bei einer Raupe. Die muss auch nicht verstehen, wie genau der Transformationsprozess abläuft, während sie in ihrem Kokon eingesponnen ist. Irgendwann ist es an der Zeit und die Hülle bricht.

In meinen Augen reicht es in den meisten Fällen, wenn du dich in deinem Alltag beobachtest, den Schutzmechanismus immer öfter erkennst und entscheidest, wie du dich in der jeweiligen Situation verhalten willst. Also ganz bewusst eine Wahl triffst. 

So wird aus einem Trampelpfad mit jedem Erkennen ein breiterer Weg. Und die Autobahn gerät immer mehr in Vergessenheit. Sie wird quasi ‘renaturiert’.

Wie es leichter geht

Wenn du es dir leichter machen willst, gibt es natürlich die Möglichkeit für eine individuelle Zusammenarbeit. Denn eine außenstehende Person erkennt viel leichter die blinden Flecken – die ihren Namen ja nicht umsonst haben.

Aber es gibt auch ein paar Muster, die sind hart und widerstandsfähig. Oder so geschickt von unserem Unterbewusstsein versteckt, dass wir sie alleine nicht sehen können. Dann ist es ratsam, sich professionelle Hilfe an die Seite zu holen.

In meiner 1:1-Begleitung ‘Inner Truth’ biete ich verschiedene Möglichkeiten, sich mit tieferliegenden Themen zu beschäftigen, um die Schale zu knacken und zum weichen Kern vorzudringen.

Frau blickt zur Seite – Symbol für innere Klarheit

Zu wissen was für dich stimmt, verändert alles.

Innere Stärke statt äußerer Panzer

Die meisten von uns verbringen ihren Alltag in einem Schutzpanzer. Ähnlich wie Schildkröten. Und ähnlich unbeweglich sind auch wir – weil dieser Panzer uns davon abhält, auf das Leben spontan zu reagieren.

Wir sind so damit beschäftigt, uns zu schützen, aus Angst vor Konflikten, Ablehnung oder davor, unsere Beziehungen zu gefährden. Dieses ‘Uns-Schützen’ führt aber oft dazu, dass wir gar nicht mehr genau wissen, was wir selbst eigentlich brauchen, damit es uns gut geht. Unser Fokus liegt im Außen, bei den Menschen, die uns umgeben.

Wir trauen uns oft nicht ‘Nein’ zu sagen, weil wir befürchten, damit andere zu enttäuschen, Streit zu provozieren oder zurückgewiesen zu werden. Doch dieses Verhalten hat einen hohen Preis auf der körperlich-psychologischen Ebene. Wir fühlen uns überfordert, gestresst und werden immer erschöpfter.

Und wenn wir unsere Bedürfnisse immer hinter die der anderen stellen, leidet mit der Zeit auch unser Selbstwertgefühl. Die Folge ist unterdrückter Ärger, der leicht zu Missverständnissen und einem Ungleichgewicht führt. Unsere Taktik ist also alles andere als funktional.

Gesunde Grenzen setzen – wie geht das?

Die Vorstellung, unsere eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen, verursacht bei vielen von uns das Gefühl egoistisch zu sein. – Falscher könnten wir meiner Meinung nach aber nicht liegen. Denn ich kann nur dann für mein Umfeld eine Quelle der Kraft sein, wenn ich selbst in meiner Kraft stehe.

Eine Metapher, die in diesem Zusammenhang oft verwendet wird, ist die Not-Situation im Flugzeug. Bevor wir anderen helfen, ihre Maske anzulegen, müssen wir uns zuerst um uns selbst kümmern. Ich liebe dieses Bild, weil es so einleuchtend ist. Niemand würde in dieser Situation denken, dass wir egoistisch sind.

Wir haben oft Angst, uns verletzlich zu zeigen, wenn wir unsere Grenzen nach außen kommunizieren. Wir befürchten, dann schutzlos ausgeliefert zu sein. Ich beobachte aber etwas ganz anderes bei meiner Arbeit mit Frauen:

Unsere innere Kraft wächst exponentiell, je öfter wir für uns selbst einstehen. Das Vertrauen in uns wird stärker – was es wiederum leichter macht, für uns einzustehen. Ein Kreislauf, der sich selbst befeuert. Und der unser Leben von Grund auf verändert. Der Mauern überflüssig macht, weil der Schutz aus dem Inneren kommt. 

Eine sanfte, und doch sehr kraftvolle Methode, die innere Kraft zu stärken, ist das therapeutische Schreiben. Was sich dadurch in Menschen verändert, fühlt sich für mich oft wie Magie an.

Tasse Tee auf einem offenem Buch – Symbol für Ruhe und Reflexion

Ein Raum, in dem du dir selbst begegnest.

3 Schreibtechniken, um das Bewusstsein für gesunde Grenzen zu fördern

Und in gewisser Weise ist es auch magisch, weil Stift und Papier eine Tür öffnen, die uns sofort mit unserem Innersten verbindet. Was Schreiben alles bewirken kann und wo seine Grenzen sind, kannst du in meinem Blogartikel ‘Journaling lernen: Methoden, Vorteile und therapeutische Alternativen’ nachlesen.

Für heute möchte ich dir nur ein paar Tipps mitgeben, damit du die drei Schreibimpulse gut für dich nutzen kannst. Und weil es sieben sind, habe ich sie ‘Die 7 Zwerge’ genannt.

Die 7 Zwerge

  1. 1
    Niemand liest den Text – mach dir das vor dem Schreiben ganz deutlich bewusst, denn dann bist du ganz ehrlich zu dir.
  2. 2
    Schreibe, ohne zu bewerten – denn es gibt kein richtig und kein falsch.
  3. 3
    Der innere Kritiker hat Pause – siehe Punkt 2 🙂
  4. 4
    Hand immer in Bewegung lassen – damit sich dein Kopf nicht einschaltet.
  5. 5
    10 Minuten Minimum – sonst bleibst du an der Oberfläche.
  6. 6
    Schreibe, bis dein Handy klingelt – so kannst du dich voll auf den Prozess einlassen.
  7. 7
    Gefühle sind willkommen – egal welche es auch sein mögen.

Mit diesen Tipps bist du bestens vorbereitet für die Schreibstafette.

Schreibstafette – 3 Impulse für gesunde Grenzen

In meiner Arbeit als Schreibtherapeutin nutze ich ganz unterschiedliche Schreibtechniken. Mein Liebling ist das Freewriting. Eine einfache, sehr effektive Methode, mit der wir ungefiltert unsere Gedanken aus uns aufsteigen lassen. Alles, was dazu nötig ist, sind Stift und Papier, ein Wecker oder ein Handy, das du auf 10 Minuten stellst und schon kann es losgehen.

Im Idealfall machst du alle 3 Impulse in einem Rutsch, dann kann sich die heilende Kraft des Schreibens am besten entfalten. Den Impuls lesen und einfach drauf los schreiben, ohne die Hand still stehen zu lassen. – Viel Freude beim Schreiben! 

Impuls 1

Frage dich: Sage ich ‘Nein’, um mich zu schützen oder um jemanden von mir wegzustoßen? – Und kann ich für meine Grenzen klar einstehen, ohne meinen Gegenüber abzuwerten?

Impuls 2

Frage dich: Welchen Menschen würde ich erlauben, einen Blick auf meinen weichen Kern zu werfen – und was müsste sich dafür ändern?

Impuls 3

Frage dich: Welche Schutzhaltung habe ich als Kind gelernt, die bis heute in mir wirkt – und ist sie noch sinnvoll?

Abschluss

Lies dir deine drei Texte laut vor und achte beim Lesen, was mit dir und in dir geschieht. Schließe dann deine Augen und spür in dich rein: Welches Gefühl ist am deutlichsten zu spüren?

Vertrau darauf, dass dir etwas zu den Impulsen einfällt. Ach ja, und was noch ganz wichtig ist: Du bist nicht in der Schule! Es geht also nicht darum, einen ‘schönen’ Text zu schreiben. Lass einfach alle Gedanken aufs Papier fließen. Egal, ob es Sinn macht oder nach Kraut und Rüben aussieht. Der Prozess des Schreibens zählt. Mehr nicht.

Und wenn du dich noch tiefer auf den Prozess einlassen willst, ist das Thema #4 Reinigung und Neubeginn aus meinem Selbstlernkurs Die heilende Kraft des Schreibens vielleicht der geeignete nächste Schritt für dich. Passend zu Ostern.

drei lachende Frauen am Strand – Symbol für Verbindung und Leichtigkeit

Echte Nähe entsteht, wenn wir uns selbst nicht mehr verstecken.

Ostern als Symbol: Vom Ei zum Pfirsich

Das Ei-Prinzip hat uns durch den gesamten Blogartikel begleitet – und könnte nicht besser zu Ostern passen. Sowohl das Ei als auch das Aufbrechen der Schutzschale. Denn in vielen von uns rufen Feiertage wie Ostern zwiespältig Gefühle hervor. Einerseits freuen wir uns auf die intensiven Tage mit unseren Liebsten. Andererseits wissen wir um das Konfliktpotential, das hinter jeder Ecke lauert. Wie können wir also für uns sorgen, ohne den anderen zu verletzen?

Grenzen setzen an Ostern – konkret und behutsam

Mir hilft es, mir bewusst zu machen, in welche Stolperfallen ich immer wieder gerne reinfalle. Und wie ich reagieren kann, ohne den anderen zu verletzen. Dafür durchlaufe ich vier Schritte.

Schritt 1: Bewusst machen, was brauche ich für mich selbst?

Es ist vollkommen in Ordnung, wenn ich mit bestimmten Verwandten weniger Zeit verbringen möchte oder ich mich zwischendurch auf kleine ‘Ruheinseln’ zurückziehe.

Gesunde Grenzen setzen heißt: Für mich sorgen – ohne mich dafür schuldig zu fühlen.

Schritt 2: Kommunikation

Klare Botschaften, die mit der Ich-Perspektive starten, aber nicht vorwurfsvoll sind, wie zum Beispiel: ‘Ich genieße die Zeit mit euch – und ich brauche zwischendurch auch mal einige Minuten für mich.’

Schritt 3: Grenzen, die keiner als ‘Angriff’ nimmt

Konkrete Grenzen, die ich ruhig kommuniziere und nicht rechtfertige, werden von meinem Gegenüber in der Regel problemlos angenommen. Darunter fallen zum Beispiel Zeitgrenzen, Themengrenzen oder auch emotionale Grenzen. 

Schritt 4: Jeder ist verantwortlich für seine Gefühle

Außerdem mache ich mir immer wieder bewusst, dass es nicht meine Aufgabe ist, unangenehme Gefühle bei anderen zu vermeiden. Wenn ich meine Grenzen klar und liebevoll kommuniziere, ist das gesunder Selbstschutz. Und falls sich bei meinem Gegenüber doch verletzte Gefühle oder Wut zeigen, vertraue ich darauf, das halten zu können, ohne einen Rückzieher zu machen.

Drei Fragen für dich

Vielleicht helfen dir diese drei Fragen, dir eine Art ‘Schutzplan’ zurechtzulegen:

  • Was ist wichtig für mich, was brauche ich täglich? – z.B. Ruhe, Essen, Gespräch, Zeit für mich
  • In welchen Situationen fühle ich mich typischerweise überfordert und neige dazu mich abzuschotten?
  • Welche zwei, drei Sätze könnten mir helfen, um klar und doch liebevoll zu bleiben?

Dein Oster-Reset:‘Schutzlos’ und doch geschützt

Liebevoll bleiben – anderen gegenüber, und vor allem mir selbst – ist für mich einer der wichtigsten Schlüssel, um gesunde Grenzen zu setzen. Ein zweiter wichtiger Schlüssel ist meine innere Stimme, zu der ich mir in den letzten Jahren durch das Schreiben eine tiefe Verbindung geschaffen habe. Und der dritte Schlüssel, der das Trio perfekt macht, ist der Mut, mich verletzlich zu zeigen. Immer wieder. Auch wenn es manchmal schwer fällt.

Dadurch habe ich eine Metamorphose durchlaufen – vom Ei zum Pfirsich. Statt der harten Schale, die den weichen Kern schützt, habe ich mir einen stabilen inneren Kern erschaffen. Und jetzt genieße ich mein Pfirsich-Dasein und habe keine Angst mehr, verletzt zu werden. Zumindest meistens. 

Den ersten Schlüssel hast nur du in der Hand. Und wenn du merkst, dass dich dieses Thema tiefer ruft und du dir dafür bewusst Raum nehmen willst, kann meine stille 3-Tagesreise Connect Yourself ein erster Schritt sein. Ich wünsche dir auf jeden Fall entspannte Osterfeiertage – mit gesunden Grenzen.


Vielleicht magst du noch bleiben. Diese Texte könnten dich begleiten.

Wenn du nach dem Lesen spürst, dass du dir selbst noch näherkommen möchtest, lade ich dich zu einer stillen 3-Tage-Reise ein.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

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