Warum Beziehungen oft komplizierter wirken, als sie sind – und was Erwartungen damit zu tun haben

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Beziehungen sind – neben Heimat und Freiheit – das größte Thema in meinen Geschichten und Theaterstücken. Und die wohl provokativste Erzählung ist ‚F wie Vogel‘, in der sich zwei Menschen ihre tiefsten Gefühle und Ängste eingestehen. Denn jede Enttäuschung, jede Verletzung und jeder Konflikt hat seinen Ursprung in Erwartungen. Und damit auch in unseren Beziehungen. Vor allem in der Beziehung zu uns selbst, worüber ich in dem ersten Teil dieser dreiteiligen Reihe ‚Zwischenmenschliche Beziehungen: Warum gute Beziehungen bei dir selbst beginnen‘ ausführlich geschrieben habe.

Beziehungen sind vielleicht das Schönste und auch das Herausforderndste in unserem Leben. Aber warum ist etwas, das wir uns so sehr wünschen – Verbindung mit anderen Menschen – oft so verdammt schwierig und kompliziert? Aus meiner Erfahrung hat es sowohl mit falschen Erwartungen zu tun als auch mit der Tatsache, dass jeder von uns seine Wahrheit an erste Stelle stellt. Was es unmöglich macht, den anderen wirklich zu verstehen.

Frau sitzt nachdenklich ans Sofa gelehnt und blickt zur Seite.

Missverständnisse entstehen oft dort, wo zwei Wahrheiten aufeinandertreffen.

Warum wir andere Menschen oft falsch verstehen

Du kennst das sicherlich aus deinem eigenen Leben, du unterhältst dich mit einer Person und denkst immer wieder: ‚Warum, um Himmelswillen, versteht er nicht, was ich ihm sagen will?‘ Du versuchst es noch einmal, erklärst es vielleicht mit anderen Worten – doch der Erfolg bleibt aus. Dein Gegenüber scheint auf diesem Auge blind zu sein. 

Das Interessante ist, dass es dem anderen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auch so ergeht. Denn auch dein Gegenüber hat seine Wahrheit, die er dir erklären und näherbringen will. Und da keiner von beiden davon abrückt, verhärten sich die Seiten und im schlimmsten Fall entsteht ein handfester Streit daraus. 

Jeder von uns sieht die Welt durch seine eigene Brille und diese Brille trägt er schon sein ganzes Leben. Jede Erfahrung, die wir machen, bestätigt entweder diesen Blick oder die Brille wird um diese Erfahrung erweitert. Mir das vor Augen zu halten, hilft mir ungemein, wenn ich wieder einmal in so einer festgefahrenen Situation stecke. Zugegeben, ich schaffe es nicht immer, die Brille abzulegen. Aber immer öfter. Und das verändert die Qualität, wie ich mein Leben erlebe ungemein. Denn wir reagieren oft nicht auf das, was tatsächlich im Außen geschieht. Wir reagieren auf das, was wir glauben, das passiert. 

Traurige Frau sitzt mit einem Mann auf einem Sofa und beide wenden sich voneinander ab.

Nicht das Gesagte verletzt uns am meisten, sondern oft das, was unausgesprochen bleibt.

Erwartungen: Die unsichtbaren Drehbücher unserer Beziehungen

Beziehungen wirken oft unglaublich kompliziert. Was zu einem großen Teil mit den Erwartungen zusammenhängt, die wir an andere Menschen und auch an uns selbst haben. Manche davon kommunizieren wir offen, andere nicht. Und da wird es kompliziert. Denn wenn wir unsere Erwartungen nicht klar kommunizieren, wie soll der andere darauf ‚richtig’ reagieren können? 

Wir gehen fälschlicherweise oft davon aus, dass der Partner, die Kinder, die beste Freundin uns doch so gut kennen müssten. Achtung, jetzt kommt vielleicht etwas, das triggern könnte: Die andere Seite der Medaille ist, dass wir uns nicht trauen, unsere Erwartungen, unsere Wünsche und Bedürfnisse offen und ehrlich zu kommunizieren. Denn dann müssten wir mit den Reaktionen und  Gefühlen unseres Gegenübers klarkommen. Und das wollen wir im Normalfall unter allen Umständen verhindern. Lieber fühlen wir uns unverstanden, dann gibt es wenigstens einen Grund, die Schuld von uns zu weisen. 

Das alles passiert oft vollkommen unbewusst. Unsere vielzitierten ‚Blinden Flecke‘. You can’t see what you can’t see – und dennoch ist es die Wahrheit. Das, worauf unser Umfeld reagiert und das woraus sich die meisten Missverständnisse und Konflikte entwickeln.

Zwei Menschen stehen sich gegenüber und diskutieren erregt miteinander.

Manche Menschen berühren genau die Stellen, die wir selbst noch nicht erkannt haben.

Warum uns manche Menschen so stark berühren

Je näher uns ein Mensch steht, desto schwieriger wird es. Weshalb die Eltern-Kind-Beziehung mit Abstand die herausforderndste ist. Dicht gefolgt von den Beziehungen zu unserem Partner und unseren Geschwistern. Und weil dieses Thema ‚Nähe‘ so unglaublich vielschichtig ist, gehe ich darauf in dem dritten Teil dieser Reihe ‚Warum wir uns Nähe wünschen – und gleichzeitig vermeiden‘ noch im Detail ein. 

Hier sei nur so viel gesagt: Wir alle haben uns in unserer Kindheit Strategien zurecht gelegt, mit denen wir die Nähe zu Menschen kontrollieren können. Oder zumindest war das unser Plan, funktional war das allerdings noch nie. 

Was Beziehungen uns über uns selbst zeigen können

Vielleicht kennst du das auch von dir, aber in meinem Leben gab es immer wieder Menschen, die mich so richtig getriggert haben. Oft mussten sie gar nicht viel tun oder sagen, um mich innerlich explodieren zu lassen. Ein Blick hat schon gereicht oder ein Satz zur falschen Zeit.

Früher bin ich solchen Menschen gerne aus dem Weg gegangen. Heute freue mich schon fast, ihnen begegnen zu dürfen, denn dadurch kann ich meine blinden Flecken erkennen. Fast wie ein Trüffelschwein. Denn das, was mich bei ihnen so triggert, ist ein Punkt, den ich bei mir anschauen und auflösen darf.

Sie wirken wie ein Spiegel, in dem ich mich selbst wiederkenne. Das ist nicht immer angenehm und braucht auch ein wenig Übung. Denn unser Verstand ist so designed, dass wir diese blinden Flecken bei uns absolut nicht sehen wollen. Mir ist das schon ein paar Mal so ergangen, dass ich mich immer wieder an einem Menschen aufgerieben habe, um dann – vielleicht in einer ganz anderen Situation – zu erkennen, was das ist, das zwischen mir und diesem Menschen steht. Und einmal erkannt, kann ich damit arbeiten und es bei mir auflösen. Vielleicht nicht sofort, aber ich kann es definitiv nicht mehr nicht sehen. 

Für mich hat ein kurzer Satz in meinem Leben so ziemlich alles verändert. Ein Satz, der aus ‚Problemfällen‘ wieder Menschen entstehen lässt, die einfach gerade an einer anderen Stelle im Leben stehen und mit anderen Herausforderungen zu kämpfen haben als ich. Diesen Satz möchte ich dir gerne als Reiseproviant mitgeben. Vielleicht hilft er dir auch: Jeder gibt zu jeder Zeit sein Bestes. Und als Ergänzung: Auch wenn das in meinen Augen nicht so aussieht.

Füllfederhalter auf hellem Hintergrund.

Zwischen den Zeilen zeigen sich oft die Antworten, die wir im Alltag übersehen.

Schreiben kann sichtbar machen, was zwischen den Zeilen geschieht

Neben der Spiegelfunktion von herausfordernden Menschen, kann dich das intuitive Schreiben beim Trüffel-Finden unterstützen. Für mich die einfachste und effektivste Art, mein Seelenleben aufzuräumen. Denn durch das Schreiben tauchen wir in tiefere Schichten, in denen all die Antworten auf unsere Fragen bereits geduldig warten. Wir können diesen Brunnen ganz leicht anzapfen und dadurch alte Muster erkennen oder Zusammenhänge besser verstehen, die uns vorher verschlossen waren. 

Bei meiner Arbeit mit Frauen erlebe ich es immer wieder, dass sich Dinge, die wir vielleicht schon sehr lange in uns fühlen, bis dato aber noch nicht greifen konnten, auf dem Papier fast spielerisch vor uns entfalten. Und oft lösen sich diese Punkte dann wie von selbst auf, weshalb mir immer wieder das Wort ‚magisch‘ in den Sinn kommt. Denn Schreiben ist fast wie Magie. Es verändert unaufhaltsam unser Leben und bringt uns wieder mit der Freude und der Lebendigkeit in Verbindung, die viele von uns auf dem Weg ins Erwachsenwerden vergessen haben. 

Ein Schreibimpuls für deine Beziehungen

Ich nutze diesen Abschnitt in meinem Blog immer, um dir einen Schreibimpuls zu geben. Und heute lade ich dich dazu ein, für einen Moment deine Augen zu schließen und nach einer Beziehung zu suchen, die dich gerade besonders beschäftigt.

Wenn du sie gefunden hast, dann frage dich: Was wünsche ich mir von diesem Menschen? Was fehlt mir, was möchte ich verändern? 

Und dann frage dich: Habe ich das schon jemals klar kommuniziert? Und wenn nicht, wovor habe ich Angst?

Schreibe dazu 10 Minuten alles auf, was sich dir im Inneren zeigt. Ohne zu bewerten und ohne zu hinterfragen.

Dann mach eine gedankliche Drehung und frage dich: Was hat das mit mir zu tun? Was wünsche ich mir vielleicht eigentlich von mir selbst?

Schreibe auch dazu wieder 10 Minuten und lass dich überraschen, auf was für wundervolle Trüffel du vielleicht stößt.

Lächelnde Frau blickt entspannt in die Ferne.

Wer sich selbst versteht, begegnet auch anderen Menschen mit mehr Klarheit.

Beziehungen werden leichter, wenn wir uns selbst besser verstehen

Eigentlich total logisch: je besser wir uns selbst verstehen, desto leichter fallen uns alle Beziehungen in unserem Leben. Denn dann begegnen wir Menschen auf einer anderen Ebene. Die Inhaltsebene, um die es sich im Normalfall den lieben langen Tag in unseren Beziehungen dreht und die unweigerlich zu Komplikationen führen muss, verliert an Bedeutung. Und an ihre Stelle tritt diese wahre Verbindung zwischen zwei Lebewesen.

Für diese Verbindung ist das Verbundensein mit mir selbst die Grundlage. Dann erst sehe ich tatsächlich mein Gegenüber, fühle ihn und erst dann ist wahres Miteinander möglich. Und dabei hilft uns das Schreiben wie kaum ein anderes Tool. Am Mittwoch, den 24. Juni 2026 um 19 Uhr öffnet sich wieder ein Schreib- und Erfahrungsraum, in dem du dir deine Beziehungen etwas genauer anschauen kannst. Hört sich gut an? Dann melde dich kostenfrei zu In Between an. Ich freu mich über jede Frau, die sich auf diese spannende Reise mit Stift und Papier einlässt!


Vielleicht magst du noch bleiben. Diese Texte könnten dich begleiten.

Wenn du nach dem Lesen spürst, dass du dir selbst noch näherkommen möchtest, lade ich dich zu einer stillen 3-Tage-Reise ein.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

ÜBER DORIS HÖNIG

Doris Hönig ist zertifizierte Schreibtherapeutin und begleitet Frauen dabei, durch therapeutisches Schreiben Klarheit, innere Sicherheit und eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu finden.

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