Bodecker & Neander

13. Februar 2016

¡ Silence !

Wolfram von Bodecker und Alexander Neander sind zwei Geschichtenerzähler der besonderen Art. Jede ihrer Bewegungen, jede Mimik sind aufeinander abgestimmt und doch erscheint alles als vollkommen selbstverständlich. Ihre Pantomimen­perfor­mance kann wohl ohne Zweifel als Kunst bezeichnet werden, von der beide seit frühester Kindheit an fasziniert waren und die sie in Frankreich als Schüler des legendären Marcel Marceau zur Meisterschaft weiterentwickelt haben.

Pointiert und doch ganz leise erzählen sie von Regen oder einem Gewinnerlos auf der Rennbahn. Voller Poesie, ganz ohne Worte, wird das Publikum Zeuge eines Rendezvous und erlebt einen Aufenthalt im Caféhaus. Der sekundenschnelle Wechsel von Freude zu Trauer lässt tatsächlich an Masken glauben, die sich Bodecker mit einer Leichtigkeit ab- und anlegt. Und bei Inspiriert von Beethoven möchte man fast aufstehen und nachsehen, ob es diese Rolltreppe nach unten denn tatsächlich gibt. Die beiden Pantomimen erzeugen auf eindrückliche Weise Magie und Illusionen auf der Bühne, die sich direkt auf das Publikum übertragen.

Ein Theater der Stille verdeutlicht, dass Stille dem Wort durchaus überlegen sein kann. Denn erst die Stille erschafft den Raum für die Phantasie und lässt nicht zuletzt auch eine Stille im Kopf des Zuschauers entstehen, die sich dort ausbreiten und Spuren hinterlassen kann.

Was wäre passiert, wenn dem Fahrenden Volk im 17. Jahrhundert in Frankreich nicht das Sprechverbot auf den Bühnen auferlegt worden wäre? Hätte sich das Theater ohne Worte auch dann entwickelt? Hätte auch dann Charlie Chaplin in den 1920er Jahren den Dingen allein durch seine Mimik Leben eingehaucht und wäre dadurch ein Vorbild für Marcel Marceau geworden?

Durch die Reduktion auf das Wesentliche gaben Bodecker und Neander ihrer wortlosen Vorstellung in Hohwacht eine persönliche Note, die eindeutig spürbar war und die dennoch schwer – bis unmöglich – mit Worten zu beschreiben ist. Ein Abend ganz ohne Worte, und doch war er so ausdrucksstark.

(Ehrenamtlicher Beitrag für den Kleinen Kulturkreis Lütjenburg, Rubrik Nachlese – Foto: Bodecker & Neander)

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