Kristof Magnusson

August 2014

Lesung Literatursommer Island, Rathaus Lütjenburg

Trotz sommerlichen Temperaturen war kein Schild Geschlossen wegen gutem Wetter an den Türen des Rathauses angebracht, wie es in Island durchaus möglich gewesen wäre. Stattdessen gab es neben den vorgelesenen Episoden aus dem Buch Das Glitzern der Heringsschuppe in der Stirnlocke von Óskar Árni Óskarsson auch original isländischen Kuchen, Exkursionen in die Geschichte der Insel und Erläuterungen weshalb die Literatur in Island solch einen hohen Stellenwert einnimmt. Doch bleiben wir erst einmal bei Óskar Árni Óskarsson und der erwähnten Heringsschuppe…

Ein Autor, der nicht gerne reist, aber ein Buch über eine Reise schreibt; ein Küchentisch, der zum Operationstisch umfunktioniert wird; eine Großmutter mit zwölf Fingern und ein rotes Dreirad, das nach Lakritze schmeckt, sind nur einige der skurrilen Eindrücke, die an diesem Abend vermittelt wurden. Kristof Magnusson bewies seine isländischen Wurzeln nicht zuletzt indem er eine Geschichte im Originaltext vorlas und, wie vorab angekündigt, war Lakritze tatsächlich das einzige Wort das zu verstehen war.

Die in Island allgemeingültige Meinung es sei besser ein Buch zu besitzen, als ein Paar Schuhe, könnte durchaus dazu verleiten, den Umgang der Isländer mit der Literatur etwas zu verklären. Denn weiss man um die Beschaffenheit der Bücher in der Vergangenheit (Stierhaut!), liegt in einem eisigen Winter ein vollkommen anderer Gedanke viel näher.

Doch einmal abgesehen von der bitteren Armut, die bis vor 200 Jahren noch auf der Insel vorherrschte, war das Fehlen von weiteren Kulturträgern wie der Musik, der Architektur oder der Kunst wohl der ausschlaggebende Grund für die tiefe Verwurzelung der Literatur in der isländischen Gesellschaft. Schon mit den Isländersagas vor 800 Jahren wurde der Grundstein für diese Kulturform des Geschichten-Erzählens und des Geschichten-Aufschreibens gelegt und ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben. Denn in welchem Land der Erde gibt es noch einen Gedichtband mit einer lyrischen Reise durch einen Supermarkt? Von der Nobelpreisträgerdichte einmal ganz abgesehen.

(Ehrenamtlicher Beitrag für den Kleinen Kulturkreis, Lütjenburg, Rubrik Nachlese – Foto: Gunnar Klack)

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