Essay | Wege im Labyrinth

April 2014

Nicht grüne Hecken, sondern Namen, Masken oder auch Worte sind die Grenzen, die die möglichen Wege in unserem Labyrinth definieren. Dem Labyrinth Leben, das uns unzählige Möglichkeiten bietet, uns die Freiheit schenkt alles zu erreichen – wenn wir nur wollen und mutig genug dafür sind an der nächsten Weggabelung die richtige Entscheidung zu treffen.

Wir tasten die unsichtbaren Mauern mit unseren Händen ab, spüren die Unebenheiten des Untergrundes und versuchen nicht selten im voraus die etwaigen Folgen abzuschätzen. Wir scheuen uns oft davor einfach weiterzugehen, dem Gefühl zu vertrauen, und der inneren Stimme zu folgen ohne zu überlegen oder ängstlich abzuwägen.

Der Blick von oben würde uns viele Ängste und Zweifel ersparen. Wir könnten ihn sehen, den Weg mühelos erkennen, der für uns bestimmt ist. Aber wir haben keine Flügel, können uns nicht in die Luft erheben, um den Überblick zu gewinnen, sind vielmehr dazu verdammt auf dem Boden zu bleiben. Unser Schicksal ist es, aus unseren Fehlern zu lernen, an der nächsten Gabelung unsere Erfahrung einzubringen – und doch haben wir nie die Sicherheit, die richtige Wahl getroffen zu haben. Auf ewig in Zweifel und Angst vor dem nächsten Schritt. Hält der Boden? Sinke ich ein? Geht es an der nächsten Biegung weiter oder stehe ich vor einer Sackgasse?

Manch einer läuft allein, viele versuchen es zu zweit, wägen sich in Sicherheit durch ihre Begleitung und verlassen sich auf den anderen, weisen die Verantwortung  – aber mit ihr auch die Freiheit! – bereitwillig von sich. Sie gehen ihren Weg ohne zu fragen: ‚Ist es der meine? Will ich das wirklich oder ist es nur bequemer, für den Moment?‘ Sie merken erst spät, vielleicht zu spät, dass wir auf uns alleine gestellt sind, keine Hilfe finden – außer in uns selbst.

Essay, Labyrinth, Leben, Lebensweg

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