Jochen Mißfeldt

März 2014

Lesung ‚Du graue Stadt am Meer‘ –
Der Dichter Theodor Storm in seinem Jahrhundert

Die Lesung am 7. März 2014 von Jochen Mißfeldt füllte die Reihen des Kulturzentrums in der Alten Schmiede bis fast auf den letzten Platz. Anlass war der Geburtstag des norddeutschen Schriftstellers Theodor Storm, der sich im April 2017 zum 200. Mal jähren wird. Jochen Mißfeldt startete mit der Biographie Du graue Stadt am Meer zeitnah einen Versuch, den Menschen Theodor Storm in seinem direkten Umfeld und in seinem Jahrhundert zu beleuchten.

In der ersten Passage beschrieb Mißfeldt mit eindringlichen Bildern die Landschaft, in der der Dichter gelebt und gewirkt hat, die Wolken über dem Land, über dem Meer; die Geest und den Regen. Die beiden anderen Passagen befassten sich mit dem Verhältnis von Theodor Storm zu Theodor Fontane, deren Wege sich im Exil in Potsdam gekreuzt hatten. Die beiden Männer verband eine Freundschaft, die trotz der unterschiedlichen Charakteren ein Leben lang bestand, denn während für Storm seine Heimat die Welt bedeutete, galt für Fontane die Welt als seine Heimat. Und obwohl Fontane den Lyriker Storm bewunderte, war für den heiteren Preußen in dessen literarischer Sprache oftmals ein ‚Zuviel an Erotika‘, fehlte es ihr an Leichtigkeit. Nach Mißfeldt war Beim Vetter Christian die einzige Novelle, die mit Humor und Ironie durchsetzt war. Sie entstand nach einem längeren Aufenthalt in Salzburg, bei dem österreichischen Schriftsteller Julius von der Traun. Doch schon bei der darauf folgenden Novelle Viola Tricolor war nichts mehr von den Auswirkungen dieser Erholung zu spüren. Seine wohl bekannteste Novelle Der Schimmelreiter beendete Storm nur wenige Monate vor seinem Tod 1888.

Die Biographie Du graue Stadt am Meer verfolgte nicht die Absicht eine wissenschaftliche Abhandlung zu sein, vielmehr stellte Jochen Mißfeldt den Privatmann Storm in den Mittelpunkt, mit all seiner Zerrissenheit und seiner Empfindsamkeit. Aus zahlreichen Quellen, Briefwechseln und Dokumenten wurden dem Publikum nicht nur Einblicke in die Denk- und Lebensweise des Dichters, sondern auch in das 19. Jahrhundert und der damaligen Gesellschaft gewährt.

Mit einer humorvollen Warnung vor den Bergen, zog Jochen Mißfeldt einen Bogen zu Schleiland, einem kleinen Buch, das die Besonderheiten der Region Angeln, seiner Heimat, zum Thema hat. Im Raum stand die Frage: ‚Was unterscheidet den Berg von dem Hügel? Ist es die Anzahl der Silben, die den Berg spitz und den Hü-gel zärtlich macht? Warum ist der Berg tödlich? Liegt es wirklich an dem Diktator ‚Gipfel‘ mit seinem Sklaven ‚Aussicht‘? Und macht der Hügel tatsächlich gesund und frei? Um diese Fragen beantworten zu können, heißt es wohl, sich auf eine Schlei-Tour aufzumachen…

(Ehrenamtlicher Beitrag für den Kleinen Kulturkreis, Lütjenburg, Rubrik Nachlese)

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