Eine Hommage an Großmutters Zeiten

November 2013

Friesisches Küchensofa

Was hat die Frankfurter Küche mit dem Verschwinden des alten Küchensofas zu tun? Der Wandel der Zeit macht auch vor unseren Wohnkonzepten keinen Halt, und nicht selten werden dabei schöne Dinge von vermeintlich Nützlicheren verdrängt. Doch in den letzten Jahren zeichnet sich ein deutlicher Trend ab, der die Küche zurück in den Mittelpunkt rückt. Sie wird wieder Ort für Kommunikation, Kreativität und Lebensfreude. Denn schon von jeher war die Feuerstelle ein Ort, an dem sich die Menschen versammelten, um sich zu wärmen, gemeinsam zu essen und sich Geschichten zu erzählen.

Mit dem Beginn der Industrialisierung und der eintretenden Landflucht, dem Wandel von der Groß- zur Kleinfamilie, verlor die Küche ihren einstigen Stellenwert. Sie war nun nicht mehr Zentrum des Hauses, sondern wurde zur Arbeitszelle deklariert. Um die Wege kürzer und die Arbeitsabläufe effizienter gestalten zu können, wurde der Tisch aus der Küche verbannt. Doch mit dem Tisch verschwand auch die Muse, der Leerlauf. Die Küchenarbeit wurde zur reinen Fertigung.

In den 1920er Jahren wurde die Küche anhand Arbeits- und Bewegungsstudien voll durchgeplant. Das Modell der Frankfurter Küche leitete das Zeitalter der Einbauküchen ein und galt bald als Architekturstandard in der ganzen Welt. Die Grundfläche wurde dabei auf ein Minimum reduziert. Die Mitte, in der vormals der Tisch stand, diente nun als Verkehrsraum und die Arbeit erfolgte mit dem Gesicht zur Wand. Diese Organisationsform hat dazu beigetragen, dass sich das Ansehen der Küchenarbeit lange Zeit weit hinter der Büroarbeit angesiedelt hatte.

Erst in den 1950er Jahren veränderte sich diese Einstellung wieder und die Arbeit in der Küche wurde weniger als berufliche Verpflichtung angesehen, sondern als eine Bereicherung der Freizeit. Aus diesem neuen Denken entwickelte sich dann die Wohnküche, der heutzutage bereits in der Planung immer mehr Fläche zugestanden wird und die nicht selten sogar vollständig in den Wohnraum integriert wird. Eine freistehende Kochinsel und wohnliches Mobiliar ermöglichen ein geselliges Miteinander, verwandeln den vormals rein funktional genutzten Raum wieder zu einem Ort mit hoher Aufenthaltsqualität, an dem gearbeitet, aber auch geredet und gelacht werden kann.

Ein fast schon vergessenes Relikt, das in den Küchen unserer Großmütter selten fehlte, ist das Ostfriesische Küchensofa. Es zeichnete sich meist durch hohe gedrechselte Holzfüße, eine bequeme Lehne und einer festen Polsterung aus. Die seitlich klappbaren Armlehnen ermöglichten zudem einen erholsamen Mittagsschlaf. Eine Dänische Abwandlung hiervon findet sich im Kökkesofa, eine Niederländische in der Keukenbank, doch allen gemein ist der Wunsch, die sinnlichen Vorgänge in der Küche mit Augen, Ohren und Nase verfolgen zu können, ohne selber dabei aktiv werden zu müssen. Wer das Glück hat ein Original aus alten Zeiten zu besitzen, kann seine Küche mit dem Schmuckstück problemlos aufwerten. Aber auch die vom Glück weniger Verwöhnten können ihren Tisch mit einem Küchensofa schmücken. Auf dem Markt finden sich die unterschiedlichsten Ausführungen, von 2- bis 3-Sitzern, von schlichten Lehnen bis geschwungenen, von dezenten Bezügen bis aufwendig gemusterten. Der Tisch und das Sofa als Herzstück der Küche – ein Trend, der die Küche wieder in einen Ort für Kochkunst, Gastlichkeit und Kommunikation verwandelt.

(Beitrag Nullnummer Mien Tohuus)

Arbeitszeile, Frankfurter Küche, Friesisches Küchensofa, Hommage Grossmutter, Kochinsel, Stellenwert Küche, Wohnkonzept

Seminare & Kurse

Doris Hönig
Vogelsang 3a 
24327 Sehlendorf