Peter Shaffers ‚Amadeus‘

Oktober 2013

Kulturzentrum Alte Schmiede, Lütjenburg

Der britische Dramatiker Peter Shaffer hat mit seinem Theaterstück Amadeus das Genie und die Mittelmäßigkeit zum Thema gemacht. Durch einen simplen Gamaschen-Trick leiht der Puppenspieler Detlef-A. Heinichen den Puppen auf der Bühne seine Hände und haucht ihnen so Leben ein. Ein gelungener Abend, der einen Eindruck vom kaiserlichen Hofe im 18. Jahrhundert vermittelt und auch die 7 jährige Rabea, als Jüngste im Publikum, sichtlich beeindruckt hat.

Antonio Salieri, Hofkomponist von Kaiser Joseph II., hat als einziger seiner Zeit das Genie des jungen Mozart erkannt, und er galt zeitlebens als dessen Gegenspieler und Neider. Salieri steht gleich zweimal auf der Bühne. Zum einen als Puppe in seinem 31. Lebensjahr und zum anderen als der gealterte und verbitterte Salieri in der Person Heinichens. Er spricht die Geister der Zukunft (das Publikum) direkt an, bittet sie jedoch nicht um Verzeihung, sondern sie sollen vielmehr verstehen. Seine Lebensbeichte beginnt mit der alles entscheidenden Frage: ‚Mozarts Tod – War ich’s oder war ich’s nicht?‘

Salieris Erzählung setzt im Jahre 1781 ein, als alle Welt von einem 12jährigen Virtuosen aus Salzburg spricht. Schon als er das erste Mal eine Symphonie von Mozart hört, erwacht die Eifersucht auf diese göttliche Musik in Salieri. Doch im Gegensatz zu den lieblichen Tönen ist Mozarts Verhalten ordinär und stößt ganz Wien vor den Kopf. Zudem beängstigt das Publikum, den Kaiser eingeschlossen, die Komplexität seiner Musik, und so kann Mozart trotz seiner Opern Die Entführung aus dem Serail, Die Hochzeit des Figaro, Don Giovanni und Die Zauberflöte – allesamt spätere Welterfolge – keinen Fuß auf der kaiserlichen Bühne fassen. Salieri nutzt diesen Umstand für seine persönliche Rache und verwehrt ihm jegliche Hilfestellung. Schlussendlich verliert Mozart durch die Enthüllungen der geheimen Riten der Loge der Freimaurer in der Oper Die Zauberflöte noch seine letzten Gönner. Völlig verlassen wird er in seinen Träumen von einer maskierten Gestalt zu seinem Requiem gedrängt. Salieri nutzt sein Wissen um diese Angst und treibt Mozart fast in den Wahnsinn. Er stellt die These auf, dass beide, er und Mozart, voneinander vergiftet worden seien und ißt das Requiem vor Mozarts Augen auf. Der gerade 35 jährige stirbt und findet 1791 sein Ende im Armengrab.

Ein Sieg für Salieri? Trotz seines Erfolges weiß er um die Mittelmäßigkeit seiner Musik und als letzter Versuch sich an die Unsterblichkeit von Mozart zu klammern, setzt Salieri – bevor er sich 1825 die Kehle durchschneidet – das Gerücht in die Welt, er habe Mozart vergiftet. Doch keiner glaubte an seine Schuld.

(Ehrenamtlicher Beitrag für den Kleinen Kulturkreis, Lütjenburg, Rubrik Nachlese)

Detlef Heinichen, Dramatiker, Kleiner Kulturkreis Lütjenburg, Kulturzentrum Alte Schmiede, Peter Shaffer, Puppentheater, Salieri, Wolfgang Amadeus Mozart

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